«Das Urteil stinkt zum Himmel»

Heute um 14 Uhr werden in Olten der FC Zürich und der FC Basel gemeinsam an einer Pressekonferenz darüber informieren, ob sie das Urteil der Disziplinarkomission der Swiss Football League akzeptieren – oder dagegen Rekurs einlegen und weshalb. Für den FC Zürich werden Ancillo Canepa, für den FC Basel Bernhard Heusler an dieser Pressekonferenz sprechen.

Bereits im Vorfeld sind erste Informationen der Pressekonferenz durchgesickert. Bernhard Heusler vom FC Basel sagt, dass Stadionsperren eine Bussen-Dimension von «gegen einer Million Franken annehmen». Ancillo Canepa sagt: «Für uns ist klar, dass wir diese Sanktionen nicht akzeptieren und das Urteil daher weiterziehen werden.»

Der Vorsteher der SFL-Disziplinarkommission, Odilo Bürgy, stellt sich selber im heutigen «Tages-Anzeiger» die Frage: «Kann ein Klub nicht wie ein privater Festorganisator den Dresscode vorgeben und gegen jene vorgehen, die gegen das Vermummungsverbot verstossen?» – und auf die Frage: «Und warum passiert nichts, wenn nach dem Cupspiel Luzern – Sion Chaoten den Platz stürmen und einander verprügeln?» – antwortet Bürgi: «Der Cup ist Sache des Fussballverbandes. Geht es aber um Zürich – Basel in der Meisterschaft, ist die Liga dafür zuständig.» – Frage «Tages-Anzeiger»: Dann werden ähnliche Vergehen unterschiedlich gewertet. Ist das nicht ein Witz? – Antwort Bürgi: «Ich bin nur ein kleines Rädli im Umzug. Als Richter bin ich immer der Böse.»

Weiter erscheint in der heutigen Ausgabe der «Basler Zeitung» unter dem Titel «Das Urteil stinkt zum Himmel» ein Interview mit FCZ-Sportchef Fredy Bickel, das wir hier vollständig (©BaZ) veröffentlichen möchten:

Basler Zeitung: Fredy Bickel, wie kommentieren Sie das Urteil der Disziplinarkommission?
Fredy Bickel: Ich bin sehr verärgert und komplett enttäuscht. Das Urteil ist unverhältnismässig und stinkt zum Himmel.

Das sind harte Worte. Was empfinden Sie als unverhältnismässig?
Wir werden mit einem Geisterspiel bestraft, weil am 17. Mai beim Heimspiel gegen den FCB unsere Organisation ungenügend war. Und nicht, weil FCZ-Fans Leuchtraketen abgefeuert haben. Damit habe ich ein Problem.

Wie meinen Sie das?
Ich will den FC Basel nicht in die Pfanne hauen, aber lassen Sie mich etwas festhalten: Im Sommer 2008 kassierte der FC Zürich zwei Geisterspiele, nachdem aus unserem Sektor im St.-Jakob-Park Raketen abgefeuert worden waren. Der FCB als organisierender Platzclub dagegen wurde damals nicht bestraft. Und wir müssen jetzt – neben der Sperre – sogar noch 80 000 Franken Busse bezahlen. Das steht doch in keiner Relation, wenn ich an andere Vorfälle aus der abgelaufenen Saison denke.

Welche meinen Sie konkret?
In Bern kann der Schiedsrichter Jerôme Laperrière nach einem Münzenwurf aus dem Fan-Sektor zu Boden gehen, in Luzern können ein paar Chaoten nach dem Cup-Halbfinal das Spielfeld stürmen – eine Stadionsperre gibts nicht. Das ist doch daneben.

Wird der FC Zürich rekurrieren?
Wir wollen auf die Barrikaden, so gehts nicht weiter. Und ich denke, wir werden Rekurs einlegen, ja. Aber das sollen Ancillo Canepa und Bernhard Heusler endgültig entscheiden und am Mittwoch der Öffentlichkeit detailliert kommunizieren.

Auf allen Ebenen wird über das Gewaltproblem im Fussball geredet. Wie nehmen Sie diese Debatten wahr?
Jeder versucht, dem anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Das bringt gar nichts. Es gibt einige Dinge, die wir Clubs zusammen mit Liga, Verband und Politikern konkret ansprechen und verbessern sollten. Aber das geht nicht ruck, zuck.

Diskutiert wird die Frage, ob es sinnvoll wäre, in Zukunft die Gästesektoren zu schliessen. Keine FCZ-Fans mehr in Basel, keine Basler mehr im Letzigrund. Was halten Sie davon?
Gar nichts. Wenn wir unsere Fans nicht mehr an die Auswärtsspiele mitnehmen dürfen, dann kapitulieren wir vor dem Problem. Nein, wir müssen alle miteinander Lösungen erarbeiten, die nützlich sind und dem Fussball helfen.

Ex-GC-Manager Erich Vogel hat eine andere Idee: Statt Geisterspielen sollen die beiden Clubs Teile der Matcheinnahmen in einen Fonds einzahlen. Davon könnte man die Sicherheitsarbeit oder die Gewaltprävention bezahlen und weiter fördern.
Eine gute Idee, ein guter Ansatz. Über solche Dinge müssen wir reden und nicht Geisterspiele veranstalten.


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