Bickel zum Saisonstart

Die «Sontagszeitung» interviewte FCZ-Sportchef Fredy Bickel zum Saisonstart. Hier einige Auszüge:

Fredy Bickel, gibt es etwas, das gegen den FC Zürich als neuen Meister spricht?
Wir können uns nur selbst besiegen.

Das tönt sehr selbstbewusst.
Ja, das schon. Aber unsere Spieler gehen gut miteinander um, sie sind solidarisch. Und wenn sie ihre Bescheidenheit bewahren und den Kollektivgedanken bis zum Ende aufrechterhalten, bin ich auch sicher, dass wir den Titel gewinnen.

Challandes hat es mit komplizierten Spielern zu tun, Hassli, Alphonse, Okonkwo, Chikhaoui. Erklären Sie einmal, was diese zum Innenleben der Mannschaft beitragen.
Hassli war nie ein Problem, im Gegenteil. Er unterhält die ganze Mannschaft, und darum haben sich alle so gefreut für ihn, dass er im Herbst so aufgeblüht ist. Alphonse ist schon lange bei uns, er hat sich seine Position erkämpft. Chikhaoui hat sich wegen seiner langwierigen Verletzung (Operation an der Patellasehne) der Mannschaft stark angenähert. Im Trainingslager in Spanien war er in einem Dreierzimmer mit Hassli und Alphonse. Danach sagte er mir, dass er darüber froh gewesen sei. In seiner Situation, die wegen seiner Verletzung nicht so einfach ist, tat es ihm gut, dass die anderen beiden ihn zum Lachen brachten.

Das Zimmer war immer schön aufgeräumt?

Das interessierte mich gar nicht. Ich will die Mannschaft jetzt nicht in den Himmel heben, aber ich gebe ein anderes Beispiel aus dem Trainingslager. Wir gaben den Spielern von Mittwoch- bis Donnerstagmittag frei und sagten ihnen: «Für die, die wollen, organisieren wir einen Bus nach Valencia.» Drei Viertel aller Spieler waren auf diesem Ausflug dabei, Tihinen spielte im Bus den Reiseleiter und erzählte etwas über Valencia, obwohl er von der Stadt gar nichts wusste (lacht). Die Spieler gingen geschlossen ins Aquarium, geschlossen zum Spiel von Valencia gegen Sevilla. Ich sass mit im Bus und hatte einfach Freude, eine solche Gruppe um mich herum zu haben.

War das Dreierzimmer auch vertreten?
Nein. Chikhaoui ging es an diesem Tag nicht so gut. Darum sagten die anderen beiden, sie würden bei ihm bleiben.

Spielt Chikhaoui diese Saison noch?
Damit rechne ich.

Bleibt Okonkwo als spezieller Spieler.
Er ist sehr speziell und braucht mehr Pflege als andere. An ihm schätze ich, dass die Ehrlichkeit durchdringt. Er macht einem nicht vor, dass der FCZ sein Traumverein ist und er immer hier bleiben wird. Er will einmal irgendwo richtig Geld verdienen.

Ihm werden gerne nächtliche Eskapaden und fehlende Pünktlichkeit nachgesagt.
Er musste zuerst lernen, wie es in der Schweiz funktioniert. Dass Pünktlichkeit wichtig ist, dass Absprachen wichtig sind, wann man wo zu sein, was man zu tragen hat und wie man sich zu verhalten hat. Wir mussten uns daran gewöhnen, dass er ein anderes Zeitgefühl hat . . .

. . . schön formuliert . . .
. . . und klar ärgern sich andere Spieler über ihn, wenn er keine Lust zum Trainieren hat, weil der Lohn nicht auf dem Konto ist. Aber wenn er in der Mannschaft ist, ist er grundsätzlich ein Gewinn für sie. Er versucht jetzt, Deutsch und Französisch zu lernen und den Trainer zu imitieren.

Xavier Margairaz ist eineinhalb Jahre nach seinem Wechsel zu Osasuna und zehn Monate nach seinem Kreuzbandriss zurück. Wie sind Sie auf ihn gekommen?
Weil man sich Gedanken machte, wer in den nächsten paar Monaten die möglichen Abgänge sein könnten. Ich denke da natürlich an Almen Abdi. Da überlegt man sich, wer in diese Mannschaft hineinpasst. Und dann kommt man zwangsläufig auf Margairaz. In seinem Fall ging alles ganz schnell, weil er ab sofort einen neuen Klub suchte.

Margairaz will spielen. Gefährden Sie mit ihm nicht die viel beschworene Harmonie im Team?
Überhaupt nicht. Er verlangt nach seiner langen Verletzungspause keine Stammplatzgarantie. Ihm ist bewusst, dass er jetzt bei einer Mannschaft ist, die funktioniert, und er sich seinen Platz erst erkämpfen muss. Er ist vielseitig einsetzbar ist. Das ist sein Vorteil.


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