Giuseppe De Filippo

Das Eichmass

Die Stimmung im Stadion Kleinfeld ist gut. Wenigstens zu Beginn. Im Laufe des Spiels fängt manch ein Krienser an seinem Team zu zweifeln an. „Gopferteckel!“ und „Das darf doch nicht wahr sein“, tönt es aus der Autorama Golden Club Lobby, einem dreiseitig verglasten und mit grünen Zwillingspyramiden bedachten Verschlag neben der Haupttribüne. Anfangs sehen die gut vernetzten Gewerbetreibenden ein offenes Spiel, in dem allerdings der FC Zürich die spielbestimmende Mannschaft ist. Das 1:0 erzielt nach kaum einer Minute Spielzeit Giuseppe De Filippo nach einem Corner am nahen Pfosten stehend, wenig mehr als eine Minute später fällt allerdings bereits der Ausgleich, wieder nach einem Eckball faustet Goalie Brecher den Ball ins eigene Tor. So schien es uns zumindest. Der Speaker meldet Nsiala für Zürich und den Krienser Bem als Torschützen. Liegt es am trümmligen Bier (Eichhof), dem wir vor Spielbeginn vielleicht etwas zu sehr zusprachen? Wir waren etwas früh da. Die Zürcher – im Matchprogramm als „ambitioniert“ bezeichnet – spielen schnell vertikal und bewegen sich gut. Neue Gesichter sieht man heute keine. Einzig der Name Avelino gibt Rätsel auf. Beim Auflaufen wird klar, dass Jorge Teixeira gemeint ist, der heute in der U21 im Einsatz steht. Sein Comeback nach langer Verletzung gibt Philippe Koch. Nach einer guten halben Stunde trägt die überlegene Spielweise Früchte: Maurice Brunners Massflanke wird von Jordi Nsiala zum 1:2 eingeköpft. Kriens wird nur gefährlich, wenn es schnell umschaltet und bei Eckbällen. Zur Pause testen wir das kulinarische Angebot. Ein SCK-Schüblig muss es sein, das tönt vielversprechend. Richtig warm werden wir damit aber nicht. Vielleicht wären die Hamburger doch besser gewesen. Überhaupt gibt es eine grosse Auswahl an Essbarem, grilliert, frittiert und gekocht. Wir haben im kleinen Stadion fünf Ausgabestellen gezählt, die Golden Lobby nicht eingerechnet. Nach der Pause wirkt der SC Kriens nachgerade hilflos. Die aufsässigen Zürcher erobern Ball um Ball und zwingen die Krienser mit viel Laufarbeit zu Fehlpässen. Nach einer guten Stunde trifft Nsiala nach Vorarbeit Marianis zum zweiten oder dritten Mal, je nach Zählweise, fünf Minuten später erneut, diesmal allerdings aus einer Offsideposition. Es bleibt beim 1:3. Ein verdienter Sieg dank konzentrierter Leistung. An diesem Spiel wird sich die Mannschaft zu messen haben. Auf dem Kleinfeld entlässt der Platzspeaker die Zuschauer in die Nacht und hofft man möge bald wieder kommen und „gnüssed si dänn hoffentlich wieder en schöne Fuessballabig“. Die Betonung macht klar, er meint im Gegensatz zu heute. Wir machen uns einstweilen auf die Suche nach unserem Auto. (Fotos: Markus Scherer)

SC Kriens – FC Zürich II 1:3
Brecher; Ph. Koch, Teixeira, Schmid, Di Gregorio; Kleiber, De Filippo, Mariani, Stojanov, Brunner (90. Cedeno); Nsiala (87. Morina)


Copyright 2016 #FCZ wtchblg