Asmir Kajevic

Endzeit auf der Breite

Diese Woche wird wieder europäisch gespielt! Die Champions League startet mit dem üblichen Getöse. Man wird mit der Frage konfrontiert, ob Cristiano Ronaldo bei einem allfälligen Torerfolg wohl jubeln würde. Wen um alles in der Welt soll das interessieren? Von der Boulevardpresse ist man sich derlei gewohnt (Blick: „Blerim versucht, Alessia mit dem Schlauch abzuspritzen“). Neuerdings meint man auch bei Qualitätszeitungen über die inneren Vorgänge von Cristiano R. Bescheid zu wissen. „In diesem Moment vergass selbst er seinen Narzissmus und seine Selbstverliebtheit“, lesen wir in der NZZ. Vielen Dank für die Analyse, Herr Doktor. Da wollen wir uns bescheiden der 1. Liga Promotion zuwenden und zum Auswärtsspiel nach Schaffhausen fahren. Wählt man dabei den Weg über Eglisau und Jestetten, fährt man über deutsches Gebiet. Dann wird es sogar ein bisschen europäisch. Hier geht es vorbei an Edeka, Penny Markt und Sparkasse. Man fragt sich, ob das hier zum Einzugsgebiet des FC Schaffhausen zählt? Nicht doch, die haben doch hier die Bundesliga. Aber dann: Direkt neben Aldi Süd prangt ein grosses Plakat, das für die heutige Partie auf der Breite wirbt. So etwas! Das Stadion bietet allerdings ein ganz und gar betrübliches Bild. Hier fällt alles auseinander, die Sektoren sind durch provisorische Gitter getrennt, die Stimme des Platzspeakers bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Man wähnt sich in einem baufälligen Internierungslager. Bis 2014 muss das reichen, dann soll das neue Stadion fertiggestellt sein. Die Lautsprecher stammten noch aus Kaisers Zeiten, erklärt ein Einheimischer. Gemeint ist doch wohl nicht das deutsche Kaiserreich! Die Fritten sehen pampig aus und eine Wurst zu essen, fehlt uns nun der Mut. Für etwas Klasse sorgen der Schriftzug des Uhrenherstellers IWC auf der Matchuhr und ein paar alternde „Stars“ des hiesigen Fussballs im Team des FCS, namentlich Antonio Dos Santos und Baykal Kulaksizoglu. Auch die ehemaligen Zürcher Nachwuchsspieler Marco Mangold und Dominik Schiendorfer sind mit von der Partie. Bei den Zürchern spielt Asmir Kajevic, der seit Saisonbeginn verletzt gemeldet war, im zentralen Mittelfeld. Das Spiel ist zu Beginn zerfahren. Als es erste Konturen bekommt, führt Schaffhausen bereits 2:0. Ein abgelenkter Schuss (15.) und ein langer Ball Mangolds, der an der Strafraumgrenze mittels Direktabnahme verwertet wird (19.) bringen den FC Zürich in Schieflage. Der Gegner kontrolliert zwar das Spiel in dieser Phase, sich Chancen erarbeiten muss er aber nicht. Zu ungenügend ist die Defensivleistung der Zürcher. Die Mannschaft reagiert aber umgehend. Jordi Nsiala erzielt noch vor der Pause nach millimetergenauem Zuspiel Gajics den Anschlusstreffer (39.), Minuten später trifft Giuseppe De Filippo nur die Latte. Dann der Rückschlag: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zeigt sich Dos Santos wie ehedem als Kunstschütze. 3:1 – auch er trifft aus der Distanz. Um 21 Uhr meldet sich der Schaffhauser Ergebnisdienst (deutsch für Totomat): Barcelona 1, Spartak 0. Das Durchspiel von Gajic über De Filippo zu Mariani und dessen wuchtiger Torschuss zum 3:2 (79.) wären auch Messi & Co. gut angestanden. Mehr ist aber nicht. Am Ende geht der FCZ trotz leidenschaftlichem Kampf als Verlierer vom Platz, weil er anfangs zu wenig konzentriert spielt und weil die Schaffhauser Dos Santos haben. (Fotos: Markus Scherer)

FC Schaffhausen – FC Zürich II 3:2
Brecher; Di Gregorio, Schmid, Stojanov, Baumgartner; Kleiber (87. Kllokoqi), Mariani, Gajic, Kajevic (76. Salija), De Filippo; Nsiala (78. Morina)


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