Giuseppe De Filippo

“Gälbschwaachz”

Die U21 scheint ihr Tief überwunden zu haben. Die Mannschaft von Urs Meier erringt beim Tabellenführer den ersten Auswärtssieg. 211 handgezählte Zuschauer sahen im schönen Basel eine – trotz des letztlich deutlichen Resultats – umkämpfte Partie, die mit dem FCZ einen verdienten Sieger fand. Eigentlich kann man ja gar nicht anders, als die Old Boys symphatisch zu finden: Die Schützenmatte ist, trotz ihrer Grösse (alleine auf der Haupttribüne fänden 2000 Zuschauer Platz) ein heimeliges Stadion, der Klub macht sich für den Nachwuchs stark und als Trainer steht Massimo Ceccharoni an der Seitenlinie. Dieser Verein weiss, wo er hingehört. Und doch hegt er Ambitionen. Die Stadionbeleuchtung jedenfalls ist für die Challenge League homologiert. Erst einmal will man aber nächste Saison in der neu gebildeten 1. Liga Promotion spielen. Nicht nur in der zweithöchsten Liga der Schweiz ist die laufende Spielzeit nämlich ein „Todessaison“, auch in der 1. Liga spielt man heuer ums Überleben und es gilt, wie man beispielsweise in Grenchen bang anmerkte, im Teletext auf der linken Seite zu bleiben. Balljungs, normalerweise vor allem mit zwei Themen beschäftigt, dem „Goalie-Goal“ und von Kopfbällen verursachte Schmerzen, diskutieren auf der Schützenmatte ausführlich die Promotionsbestimmungen der Liga.
Wenn die Mannschaft weiter auf Kurs bleibt, wird auch der FC Zürich, als eine von landesweit vier U21-Teams, in der neuen Stärkeklasse vertreten zu sein. Leicht gemacht wurde ihr der Erfolg heute allerdings nicht. Wenngleich das Team bereits nach wenigen Minuten durch Maurice Brunners feinen, fast senkrecht gespielten Lupfer über den Basler Torhüter in Führung gehen konnte (6.), wurde es vom technisch versierten Gegner immer wieder in Schwierigkeiten gebracht. Auf der rechten Seite, wo Verteidiger Leandro Di Gregorio und Aussenläufer Mike Kleiber die Position getauscht haben, kam es anfänglich zu Missverständnissen. Der FCZ war dann gut, wenn er hoch verteidigte und so zu Ballbesitz kam oder den Gegner am Aufbau hindern konnte. Die Mannschaft schaffte es aber vorerst nicht, dieses Spiel über längere Phasen aufrechtzuerhalten. So war sie über weite Strecken stark unter Druck. Die aufsässigen Gastherren zwangen namentlich die Verteidiger zum schnellen Abspielen und folglich zu Fehlern. In der Innenverteidigung spielte Egzon Kllokoqi für den abwesenden Djimsiti, vor der Abwehr Ramadan Morina, beides eigentliche Neulinge, aber defensiv heute sicher. Der Ausgleich nach einer halben Stunde fiel denn auch durch einen von vielen Weitschüssen, der noch dazu abgelenkt wurde und sich unhaltbar hinter Yanick Brecher in Tor senkte, eine exakte Kopie von Brocchis Treffer in Rom. Davor und danach musste sich Brecher aber noch einige Male strecken, um mehr Gegentreffer zu verhindern. Kurz vor der Pause konnte der FCZ nach einem Bilderbuchkonter über Davide Mariani, Brunner und Giuseppe De Filippo wieder vorlegen. Auch nach der Pause machte das Heimteam das Spiel und drückte die Zürcher in die eigene Platzhälfte, mehr und mehr gelangen aber die langen Bälle besser und wurden von Befreiungsschlägen zu Vorlagen für gefährliche Gegenstösse. Ausserdem unterstützte nun der für Brunner eingewechselte Ali Imren Morina als zweiter Ausputzer, was das Zentrum stabilisierte. Nach einem weiteren Konter, den Ivan Audino mit einem schönen Schlenzer zum 3:1 abschloss (55.), wurde es für den Gegner sichtlich schwieriger, positiv zu bleiben. Brecher musste noch einen scharf und flach getretenen Freistoss entschärfen, den er spät sah. Danach wurden die Angriff auf sein Tor nur noch selten gefährlich, und kurz vor Schluss traf erneut Audino, von Mariani und Di Gregorio mustergültig freigespielt. Mit dem zweiten Sieg in Folge hält der FCZ den Anschluss an die Tabellenspitze und weist neu auch eine positive Tordifferenz auf. Die Old Boys ihrerseits sind nach wie vor gut im Rennen um die Aufstiegsplätze, so dass man hoffen kann, sich nächste Saison wieder zu begegnen. Wenn sie dannzumal nur neue Trikots hätten! Jetzt sehen sie aus wie Buben, die die Kleider ihrer älteren Brüder austragen müssen. Dabei sind es doch die anderen, die Young Boys heissen! (Foto: Markus Scherer)

BSC Old Boys – FCZ U21 1:4
Brecher; Kleiber, Kllokoqi, Schmid, Thoma; Di Gregorio (90. Joao Da Silva), Morina, Mariani, Brunner (46. Imren); Audino, De Filippo (82. Baumgartner)


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