Geisterspiel 1 (Update)

Wie erwähnt, wurde die von der Südkurve beim Parkplatz Osttribüne geplante Grossleinwand aus «rechtlichen Gründen» nicht bewilligt. Das Amt der Stadtpolizei für Bewilligungen, das zuständig ist, weil es sich um öffentlichen Grund handelt, hat dem Errichten einer Grossleinwand nicht stattgegeben. Die Südkurve hofft trotzdem auf ein zahlreiches Erscheinen der Fans, um den FCZ von ausserhalb lautstark zu unterstützen: «Lönd de Parkplatz explodiere!» Es sollen diverse TV-Geräte aufgestellt und auch auf anderen Wegen für Informationsvermittlung aus dem Stadion gesorgt werden. Stadionmanager Peter Landolt verzichtete laut «Tages-Anzeiger» darauf, einen Sichtschutz zu montieren, und toleriert die Fans, «solange sie sich friedlich verhalten». Auch die Liga wehrt sich nicht gegen diese – schliesslich hätten sich auch die Basel-Fans bei FCB-Geisterspielen vor dem Marathontor des St.-Jakob-Parks versammelt und von dort Stimmung gemacht. Stadtpolizei-Sprecher Daniel Ruf: «Wir haben Kenntnis vom Aufruf der Fans.» Die Polizei will vor dem Stadion Präsenz markieren. Nach einer Lagebeurteilung sei man auf das heutige Spiel vorbereitet. (Update 14h)

Beim FCZ ist man erfreut über die Aktion. Fredy Bickel: «Ich bin sicher, dass die Spieler die Fangesänge hören können.» Bernard Challandes: «Wir machen das Beste daraus. Vielleicht hören wir unsere Fans ja draussen vor dem Stadion.» Trotzdem wird das Geisterspiel für das Team eine neue und ungewohnte Situation sein. Almen Abdi: «Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, wie das sein wird ohne Zuschauer.» Falls er ein Tor schiessen würde, werde er wahrscheinlich nicht jubeln. Eric Hassli hingegen hat eine spezielle Lösung: «Falls ich treffe, rufe ich die Fans an, um mit ihnen zu jubeln.»

Während die Fans vor dem Stadion sind, befinden sich drinnen: 170 Medienschaffende und je 50 Funktionäre der beiden Klubs. Dazu die 22 Spieler auf dem Feld, der Staff und je 7 Ersatzsspieler auf der Bank, das Schiedsrichtertrio und der 4. Offizielle. Die überzähligen Kaderspieler dürfen auf der Tribüne Platz nehmen – sie belasten aber das Kontingent von jeweils 50 Funktionären der beiden Vereine. SFL-Sprecher Roger Müller: «Erlaubt sind nur Offizielle der Klubs. Wir haben die Namen geprüft.» Schliesslich noch eine Delegation der Liga um Direktor Edmond Isoz und Schiedsrichter-Inspizienten, der Speaker, Ballbuben, einige wenige Sicherheitskräfte und jeweils maximal zwei Vertreter der übrigen Super-League-Klubs zwecks Gegnerbeobachtung. Ausnahmslos für alle galt, dass die Namen 48 Stunden vor dem Spiel bei der SFL einzugehen hatten. Summa summarum befinden sich also etwa 300 Personen im 26 000 Leute fassenden Letzigrund.

Die NZZ befasst sich mit dem Sinn und Unsinn von Geisterspielen: Für René Strittmatter, Präsident des FCZ-Verwaltungsrates, «gehen alle als Verlierer vom Platz. Vor allem trifft das Urteil jene 99 Prozent der Besucher, die mit dem Vorfall nicht das Geringste zu tun haben.» Bernhard Heusler, Vizepräsident des FC Basel, sagt unmissverständlich: «Ich bin prinzipiell gegen solche Kollektivstrafen.» Edmond Isoz, Senior Manager der SFL, hingegen befürwortet solche Strafen: «Die Zuschauer haben durchaus eine gewisse Verantwortung. Sie sollten sich einmischen, die Chaoten denunzieren – und nicht, wie heute üblich, sich vom Geschehen abwenden.»

Auch FCZ-Präsident Ancillo Canepa äussert sich auf fcz.ch zu den Geisterspielen: «Der FCZ beschäftigt sich momentan intensiv mit der Möglichkeit einer angemessenen Kompensation für den Ausfall der beiden „Geisterspiele“. Er wird Sie nach der Verwaltungsrats-Sitzung vom 4. August 2008 im Detail darüber informieren können. Ausserdem werden wir nach Abschluss unserer weiteren internen Abklärungen auch aus juristischer Sicht Stellung beziehen.»

Zum Schluss noch ein Blick auf die bisherigen Geisterspiele in der Super League: Das erste Geisterspiel verhängte die Liga 2001. Damals war im Tourbillon neben Servette-Goalie Eric Pédat eine Petarde explodiert. Das Wiederholungs-Geisterspiel zwischen Sion und Servette endete 1:1. Nur drei Punkte resultierten aus den zwei Geisterspielen, die der FC Basel 2006 nach dem 13. Mai bestreiten musste: 3:0 gegen Schaffhausen, 2:3 gegen GC.


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