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Gespräch mit Florian Stahel (2)

Warum hat Ur-FCZ’ler Urs Fischer nicht auf den Stadtzürcher Florian Stahel gesetzt?
Da gibt es sicher verschiedene Gründe. Als Urs Fischer Trainer wurde, war ich eigentlich gesetzt. Dann kam jedoch meine Verletzung und Philippe Koch übernahm meinen Posten und spielte stark. Als ich wieder fit war, kam ich nur noch selten zum Einsatz. Urs Fischer konnte mir nie klare Gründe nennen, die gegen mich sprachen. Der Entscheid war wohl eher für Philippe als gegen mich.

Mit Lucien Favre, Bernard Challandes und Urs Fischer hast du beim FCZ drei ganz verschiedene Typen als Trainer gehabt. Lucien Favre hat dich in die erste Mannschaft geholt, ist er demnach auch der Trainer, welcher für deine Karriere am Wichtigsten war?
Seine Trainingsmethoden und sein Trainingsstil waren einmalig. Lucien Favre war ein Perfektionist, der die jungen Spieler nach dem Training noch zur Seite nahm und gewisse Situationen mit ihnen speziell durchsprach, sei es mit weiteren Trainings oder einem privaten Videostudium. Zudem liess er dich auch nach Fehlern immer wieder spielen. Ich erinnere mich an eines meiner ersten Spiele, es war gegen Xamax. In der Startphase verlor ich als letzter Mann den Ball und verschuldete das erste Gegentor. Danach schoss ich per Kopf den Ausgleich zum 1:1. In der 70. Minute konnte ich den FCZ vor einem Rückstand bewahren, als ich den Ball auf der Linie wegschlug. In der Schlussphase war ich jedoch mit einem Eigentor für die 1:2-Niederlage verantwortlich. Es war ein verrücktes Spiel. In der anschliessenden «Sportaktuell»-Sendung wurde mein Name gefühlte hundert Mal erwähnt.

Viele Fans glaubten, dass du der «ewige» FCZ’ler im jetzigen Kader sein wirst. Gerade ein Wechsel innerhalb der Super League kam für viele überraschend.
Wie gesagt, der Wechsel kam nun einfach zum richtigen Zeitpunkt und war keinesfalls erzwungen. Ich kann mir sehr gut vorstellen eines Tages zum FCZ zurückzukehren. Es wäre schön, wenn sich der Kreis irgendwann schliesst und ich als Spieler oder Trainer nochmals beim FCZ arbeiten könnte. Ich muss auch sagen, dass mein Wechsel innerhalb des Vereins sehr gut aufgenommen und abgewickelt wurde. Ich verlasse den FCZ im Guten, das ist mir auch wichtig. In Luzern habe ich nun einfach eine neue Stelle, das ist wie im normalen Berufsleben. Mein Herz bleibt in Zürich.

Du machst keinen Hehl darauf, dass dir die Stadt Zürich und der FCZ am Herzen liegen.
Ich glaube, es ist für jeden Schweizer Fussballkenner klar, dass der Name Stahel auch immer irgendwie mit dem FCZ verbunden ist. Beim FCZ habe ich die bisher beste Zeit meines Lebens gehabt. Ich habe grosse Veränderungen im Verein miterlebt. Als ich in die erste Mannschaft kam, waren wir ein normaler Mittelfeldklub. Der 13. Mai 2006 veränderte alles im Verein. Heute ist alles professioneller geführt, der FCZ spielt international – es ist einfach alles viel grösser.

Du sprichst den 13. Mai an. Lass und nochmals auf diesen einmaligen Tag zurückblicken.
Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich Szenen dieses Spiels sehe oder daran zurückdenke. Es war einfach einmalig. Der Wille im ganzen Team diesen Titel zu erringen, war riesig. Ich lag in der 88. Minute mit Krämpfen im Basler Strafraum und konnte nicht mehr. Der Wille liess es aber nicht zu aufzugeben. So stand ich wieder auf und kämpfte weiter. Dann der Einwurf von Alain Nef, die Kopfballverlängerung von Keita und ich stand einfach am richtigen Ort. Schon verrückt, dass mit Filipescu (Stahel nennt ihn Pescu) und mir zwei Verteidiger an dieser meisterschaftsentscheidenden Szene beteiligt waren. Die Freude und die Feier mit den Fans nach diesem Spiel waren einmalig.

Auch in der darauffolgenden Saison konntest du mit dem FCZ feiern. Nach dem Sieg gegen GC 2007 hast du an der Meisterfeier kräftig mitgetrunken und am nächsten Morgen ein sehr unterhaltsames Interview auf Radio Energy Zürich gegeben…
…jaja auf dieses Youtube-Filmchen werde ich immer wieder angesprochen. Auch jetzt in Luzern wieder. Ich war an diesem Abend wirklich «volle wiä ä Tolle» und wollte eigentlich gar nicht in die Morgensendung gehen. Irgendwann im Verlaufe der Meisternacht habe ich dann doch zugestimmt und das Ergebnis war dementsprechend.

Morgen folgt der 3. und letzte Teil des Gesprächs mit Florian Stahel.
Teil 1


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