Neue Gesichter

FCZ U21 – Red Star 1:1

Maurice Brunner

Maurice Brunner (Bild: Markus Scherer)

O. Lattman

F. Di Gregorio, J. Wuhrmann, D. Schiendorfer, M. Jurkemik

D. Infante (46 I. Audino), M. Mangold, M. Büchel (46 S. Gugelmann), M. Brunner

I. Emeghara (77 D. Mariani), G Ivanishvili

Über drei Monate sind vergangen seit dem letzten Heimspiel der U21. Die Mannschaft wurde einmal mehr verjüngt und hat ihr Gesicht ziemlich verändert. Wichtige Stammspieler wie Santana, Challandes und Ladner müssen sich anderswo beweisen, mit Büchel und Mangold war heute wenigstens das Zentrum mit genügend Erfahrung besetzt.

So sehr sich auch das Team verändert, so solid bleibt alles andere auf der Allmend. Ob Platzspeaker oder Grillmeister, ob Bierverkäufer oder Billetkontrolle – alles beim Alten. Als dann zu frühlingshaften Temperaturen kurz vor Spielbeginn noch der, nun schon traditionelle, Tross der circa 30 Südkurvengänger eintrifft, fühlt es sich an wie eine Heimkehr an einen vergessenen Ort.

Die Spieler scheinen die Szenerie etwas nüchterner zu sehen und liefern eine erste Halbzeit ab, die fast keine Höhepunkte bietet. Urs Fischer meint nach dem Spiel dazu: “Ohne Einsatz, ohne Leidenschaft und Kampf, das war kaum Fussball. So genügt das auch gegen Red Star nicht.“ Das ist kein mangelnder Respekt vor dem Gegner, aber Red Star ist abgeschlagener Letzter der Liga und war bis jetzt so etwas wie der sichere Punktelieferant.

Die schönste Szene der ersten 30 Minuten spielt sich während eines Spielunterbruchs ab. Ein Red Star Spieler wälzt sich verletzt am Boden, worauf der Pfleger auf den Platz darf. Diesem fehlt wohl einiges an Material, also wird der FCZ Pfleger aufgefordert: „gah schnell go hälfe“. Das Mikrofon des Speakers ist offen, so dass diese Anweisungen wirklich alle mithören können. Es folgt wohl eine Anmerkung zum Verletzten, „Aso, mä kännt en nöd persönlich…“ und nach erfolgreicher Behandlung das Lob, „Häsch guet gmacht“. Bankgespräche live auf den Platz zu übertragen ist nur eine von vielen Innovationen die auf der Allmend Brunau ihren Geburtsort haben und irgendwann wohl die ganz grosse Bühne des Fussballs bereichern.

Nach einer halben Stunde kommt der FCZ ein wenig besser in Fahrt und hat die eine oder andere Chance. Die erste zwingende Möglichkeit bietet sich aber dem Gegner. Nach einem schlimmen Fehlpass im Mittelfeld steht der gegnerische Stürmer schnell allein vor Goalie Orlando Lattmann und schiebt zum 0:1 ein. Nur zwei Minuten später pariert dann Lattmann die nächste Grosschance hervorragend, der folgenden Nachschuss trifft den Aussenpfosten. Diesen trifft auf der Gegenseite danach auch noch Maurice Brunner mit einem prächtigen Hackentrick. Nach dieser Chance und zwei gefährlichen Eckbällen gehen die nun erwachten Spieler in die Garderobe.

Mit zwei Wechseln und einer, wahrscheinlich zünftigen, Pausenpredigt gibt Fischer den Takt für die zweiten 45 Minuten vor. Dominik Schiendorfer rückt durch die Auswechslung Büchel’s ins Mittelfeld vor und treibt seine Mannschaft mit vorbildlichem Einsatz den Rest des Spiels an. Auf dieser für ihn neuen Position schiesst er nach circa 30 Sekunden zum ersten mal gefährlich auf’s gegnerische Tor und nach Spielende ist er der erste, der völlig ausgepumpt und entäuscht zu Boden sinkt. Ein anderer Spieler der unter spezieller Beobachtung stand war der neu transferierte Ivan Audino. Zur zweiten Hälfte eingewechselt brachte er einige Impulse und lies jeden sein Talent erkennen. Wenn er es mit seiner offensichtlichen Ballverliebtheit gelegentlich etwas übertreibt, sitzt da ja immer noch ein alter Haudegen mit feinem Gespür auf der Trainerbank: „Ivan – hör uuf uf dem Ball ume z’staa“.

Die Partie ist nun ein wilder Sturmlauf mit klaren Vorteilen für den FCZ. Der Kampf und die Leidenschaft sind da, die ganz grossen Möglichkeiten fehlen aber noch immer. Eine der wenigen hat der sehr engagiert spielende Brunner in der 68’. Nach einer butterweichen Flanke Audino’s und der überlegten Kopfballverlängerung Marco Mangold’s kann er allein vor dem Torwart volley abschliessen, trifft damit aber nur die Latte.

In der 77’ bringt Fischer Davide Mariani für Innocent Emeghara. In der Sportpresse wird dem Trainer nach einer solchen Einwechslung jeweils ein Goldhändchen angedichtet, denn sieben Minuten später (84’) liegt der Ball im Netz. Getroffen hat, nach einem Zeitlupen-Doppelpass, aus geschätzten 22 Meter mit einem wunderschönen Schuss, Mariani. Red Star hat nun nur noch vereinzelte Kontermöglichkeiten die aber von der souveränen Abwehr allesamt abgefangen werden. Der FCZ drückt bis zum Schluss, doch ein Sieg soll ihnen auch im dritten Spiel dieses Jahres nicht vergönnt sein.

Die zweite Halbzeit machte aber viel Freude beim zuschauen und auch Fischer war nun mit seinem Team zufrieden. Der Aufmarsch an Zuschauern war erfreulich, aber es hat noch viel Platz für weitere FCZ Fans. Der letzte Befehl des Trainers an seine Jungs gilt dann auch den Rängen: „so, jetzt gönd er eu no go bedankä für d’Unterstützig “, worauf sich Tribüne und auslaufende Spieler artig gegenseitig beklatschen.


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