Davide Mariani

Rendezvous mit der Niederlage

Am kommenden Dienstag jähren sich wieder einmal die Anschläge vom 11. September 2001. Es war dies Anlass für einige Aktivisten, heute am Central Flugblätter zu verteilen, um die Zürcher Bevölkerung über die wahren Hintergründe der Ereignisse aufzuklären. „Wacht auf!“ und „Lasst euch nicht für dumm verkaufen!“ stand sinngemäss, wie von Kindern im Spiel, mit Kreide auf den Boden geschrieben. Wer es genau wissen will, findet das Niedergeschriebene vielleicht dort noch vor. Falls nicht die Zentralen der Macht es bereits haben entfernen lassen. Es liegt in der Natur von Verschwörungstheoretikern, grundsätzlich jedem Gerücht mehr Glauben zu schenken als Informationen aus offiziellen Quellen. Auf dem Fussballplatz gilt das Wort des Schiedsrichters. Seine ist die offizielle Version, jede andere blosse Folklore. So muss der wahre Fan jede Entscheidung des „Unparteiischen“ (ha!) in Zweifel ziehen und dubiose Beweggründe für die Benachteilung des eigenen Teams vermuten. Die heutige Partie gegen Tuggen bot reichlich Stoff für dergleichen. Es war ein Spiel, das der FC Zürich nach allen Regeln hätte gewinnen müssen, am Ende blieb jedoch trotz aufopfernden Kampfes nur der grosse Frust. Zwei Penalties gegen die Mannschaft, der Platzverweis für André Goncalves (heute als Innenverteidiger eingesetzt), ein nicht gegebener Strafstoss nach Foul an Milan Gajic, zwei Situationen, in denen Spieler fragwürdig aus dem Offside zurückgepfiffen wurden, als sie den Ball bloss noch einzuschieben hatten. All dies hatte der Fan zu ertragen.
Die Mannschaft spielt dominant, führt früh durch ein Tor von Davide Mariani (9.). Zwar muss sie ein wegen Offside annulliertes Tor des Ex-Zürchers Vilson Doda nach einem langen Einwurf hinnehmen und kurz darauf den Ausgleich auf Penalty, nachdem ein scharfer Schuss Goncalves am (angelegten) Arm trifft (21.) Ansonsten beherrscht sie den Gegner über grosse Strecken fast spielerisch leicht. Langen Druckphasen vor dem Strafraum mit guten Torgelegenheiten für die Zürcher setzen die Gäste einige schnelle Gegenangriffe und viele, zum Teil rüde Fouls entgegen. Einen zweiten Penalty nach einem Schubser von Goncalves, der für ihn die rote Karte zur Folge hat, können die Tuggener nicht verwerten, nur eine Minute zeigt sich die Zürcher Hintermannschaft aber indisponiert und lässt sich erneut von einem langen Einwurf überraschen, der, leicht abgelenkt, als Aufsetzer seinen Weg zum 1:2 ins Tor findet (77.) Dem hart erkämpften Ausgleich (erneut durch Mariani) folgt nur drei Minuten später nach einem Freistoss das 2:3 (88.) Drei Tore nach Standardsituationen bedeuten am Ende drei gestohlene Punkte für den FC Tuggen und die erste Saisonniederlage der U21. Dumm gelaufen? Oder ging da am Ende etwas nicht mit rechten Dingen zu? (Foto: Markus Scherer)

FC Zürich II – FC Tuggen 2:3
Brecher; Di Gregorio, Goncalves, Schmid,  Schäppi (81. Morina); Kleiber (79. Kllokoqi), Gajic (81. Nsiala), Stojanov, M. Brunner; Mariani, De Filippo


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