Milan Gajic

Watchblog bei den Bernern

Miese Stimmung beim FC Zürich? Nicht bei der U21. Vor dem Anpfiff grinst man sich an, und danach arbeitet das Team solidarisch. Heute tut sie das beim Berner Quartierklub FC Breitenrain. Wenn man die Bundesstadt besucht, trifft man dort auf jene sprichwörtliche Gemütlichkeit, die einen als Zürcher peinlich berühren kann. Wenn noch dazu, wie im FC Breitenrain, so viel Wert auf die familiäre Atmosphäre gelegt wird, wähnt man sich im Biotop der Behäbigkeit. Umrahmt von Mietshäusern, wo hinter Küchenfenstern „Güetzi“ gebacken, in den Stuben Carambole gespielt wird, liegt der Sportplatz Spitalacker mit seiner alten Holztribüne, der Himmel ist voller Schäfchenwolken. Die Mannschaften laufen ein und Polo Hofer dröhnt aus den Lautsprechern. Schwaden von Fritierfett wehen vom Verpflegungsstand aufs Spielfeld. Ob der leichte Ekel daher rührt? Das Spiel beginnt zäh, nach zwölf Minuten notieren wir den ersten Torschuss. Nur wenig später verfehlt Berat Djimsiti nach einem gegnerischen Eckball für einmal einen Kopfball und sein Verteidigerkollege Schmid lenkt zum 1:0 ins eigene Netz ab (19.) Überhaupt ist es nicht der Tag von Fabio Schmid: Erst kann er zwar noch einen Schuss an die Latte ablenken, dann trifft er aber erst aus einer Offsideposition ins Berner Tor und Mitte zweiter Halbzeit muss er nach einem Schlag in die Niere ausgewechselt werden. Das Zürcher Team steht kompakt, nachdem es in Rückstand liegt, auch sehr hoch. Der Gegner spielt defensiv diszipliniert, wirkt sonst aber ideenlos. Breitenrain sei eine unberechenbare Mannschaft, die aus dem Nichts treffe, meint Massimo Rizzo. So geschehen an diesem Sonntagnachmittag. Die Sache ins Lot bringt Davide Mariani mit einem Prachtsschuss ins hohe Eck (35.) „Wine Ronaudo-Freystoss!“, tönt es auf der Tribüne. Kurz vor der Pause lanciert Mariani Milan Gaijc, der sowohl den Torhüter, wie auch den letzten Verteidiger stehen lässt, vor dem leeren Tor den Ball aber an den Pfosten drischt. Die zweite Halbzeit sieht eine äusserst aggressive und zeitweise hoch überlegene Gastmannschaft. Goalie Yanick Brecher muss einen einzigen Flachschuss parieren und darüber hinaus die am Boden liegende Eckfahne an ihren Platz zurück stellen, weil es sonst keiner tut. Seinen Stürmern bieten sich zahlreiche Chancen, den siegbringenden Treffer zu erzielen. Meist fehlt nur sehr wenig, das Tor will aber nicht fallen. Nach dem Schlusspfiff ist der Frust erst einmal gross, richtig schlechte Stimmung kommt aber auch jetzt nicht auf. Warum auch? Die Mannschaft arbeitet gut. Auf dem Spitalacker verabschiedet der Speaker derweil die 285 Zuschauer in die Winterpause. „Dier sit dr zwöufti Ma“, schmeichelt er. Und: „Ohni öich wöi mier d’Rückrundi nid bestriite.“ Ein starkes Stück, das. Aber es geht eben nichts über die Familie. (Fotos: Markus Scherer)

FC Breitenrain – FCZ U21 1:1
Brecher; Kleiber (63. Joao Da Silva), Djimsiti, Schmid (78. Kllokoqi), Thoma; Di Gregorio (90. Joao Da Silva), Morina, Mariani, Gajic, Audino;  De Filippo

Letztes Heimspiel vor der Winterpause: Donnerstag, 24.11., 20:00 FCZ U21 – SC Dornach

 

 


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