Zufrieden in den Winter

FC Zürich U21 – FC Solothurn 3:1

Maurice BrunnerMaurice Brunner hebt ab (Bild: Markus Scherer)

O. Lattmann
A. Goncalves, D. Schiendorfer, R. Koch, M. Jurkemik
A. Nikci, M. Büchel (60. J. Santana), D. Stojanov, M. Brunner (74. I. Audino)
O. Buff, J. Drmic (85. D. Infante)

Endlich wieder mal ein Spiel auf der Hundewiese. Der Utogrund ist zwar ein altehrwürdiges, richtiges Stadion, aber der Mensch halt ein Gewohnheitstier. So freuten sich einige, wieder mal auf der Allmend Brunau ein Spiel zu sehen. Da dieses schon um fünfzehn Uhr angepfiffen wurde, konnten die wenigen Besucher auch noch für einige Zeit die wunderschöne Wintersonne geniessen. Der Gegner hiess Solothurn – aus dieser Gegend kommt die Familie Koch, aus welcher Raphael, einer von drei Brüdern, die alle vom FC Solothurn zum FCZ wechselten, heute im Einsatz war und sich freute, seine alten Kollegen wieder mal zu sehen.

Die Nettigkeiten beschränkten sich aber auf vor und nach dem Spiel. Kaum angepfiffen übernahm der FCZ das Kommando. Schon in der sechsten Minute trifft Nikci per „Spitzguuge“ ans Lattenkreuz, einige Sekunden später versenkt er den Ball im Tor, doch leider aus einer Abseitsposition. Vier Minuten später scheint die Führung erneut zu gelingen. Nikci erhält einen genauen Steilpass, umspielt den Goalie gekonnt, doch sein etwas schwach geratener Schuss wird auf der Linie von einem Verteidiger geklärt. Erneut nur einige Minuten danach legt Nikci im Strafraum präzis auf Buff ab, aber auch als Weltmeister kann man einen „einfachen“ Ball knapp neben das Tor setzen. Nikci ist in den ersten Minuten sehr aktiv, aber auch seine Mitspieler überzeugen. In der Offensive wirbeln neben ihm Buff, Brunner und Drmic die gegnerischen Verteidiger schwindlig. Nach vielen schön herausgespielten Chancen fällt das 1:0 dann relativ „plump“. Einen fälligen Eckball schlägt Oliver Buff ziemlich flach und kurz, sodass er für die Zuschauer zuerst eher misslungen aussieht, doch am ersten Pfosten steht Maurice Brunner gut und lenkt den Ball sehr geschickt durch vier Verteidigerfüsse hindurch ins kurze Eck (18.). Nach einer halben Stunde erzielt dann erneut Brunner fast den zweiten Treffer. Nach Nikcis guter Flanke wird sein Kopfball auf der Linie von einem Verteidiger abgewehrt. Nun kommt die Ticketkontrolle vorbei, und während wir zum hunderttausensten Mal unsere Karten vorweisen müssen, fällt so überraschend das 1:1, dass niemand hinsah. Darum Urs Fischers Schilderung nach dem Spiel: „Auf einen langen Ball des Gegners gehen zwei Verteidiger gleichzeitig und prallen zusammen. Der lachende Dritte ist der gegnerische Stürmer, der Orlando Lattmann mit einem Lob bezwingt.“ Ein ärgerliches Tor also, dass den FCZ dann auch prompt etwas aus dem guten Tritt bringt. Solothurn wird in den letzten fünfzehn Minuten immer stärker und dem FCZ gelingt nun nicht mehr so viel. Ein gut getretener Solothurner Freistoss aus grosser Distanz klatscht an den Pfosten, Lattmann war wohl mit den Fingerkuppen noch knapp am Ball. Eine Minute später pfeift der gute Schiri zur Pause. In der Zwischenzeit ist die wärmende Wintersonne längst verschwunden und ein bitterkalter Wind aufgekommen. Im Clubhaus des FC Red Star hilft ein Zwätschge Luz über grössere Unterkühlungen hinweg.
Der zweite Teil des Matchs beginnt wie der erste mit einem hochüberlegenen Gastgeber. In den ersten zehn Minuten entstehen mehrere hochkarätige Chancen. Nikci, Stojanov, Brunner und Buff bereiten wunderschön vor, dieselben Spieler und immer wieder der nach einer verschlafenen ersten Halbzeit erwachte Drmic vergeben knapp oder scheitern am Torwart. In der 60. Minute kommt dann der perfekt berechnete Pass (im Fachjargon neuerdings „Laserpass“ genannt) von Martin Büchel. Josip Drmic findet sich allein vor dem Torwart wieder und verwandelt dieses Mal eiskalt zur Führung. Es war Büchels letzte Aktion, denn gleich danach wird er durch Santana ersetzt, wodurch Buff ins zentrale Mittelfeld geht. Javier Santana hat mit seiner ersten Ballberührung gleich eine grosse Chance, doch der Ball streift knapp am Tor vorbei. Dem Solothurner Trainer langt es jetzt, er wird zum ersten Mal richtig laut: „Hebed Soorg zu dem Baouu..!“. Seine Mannschaft kommt darauf tatsächlich wieder etwas besser ins Spiel kommt. Das Spiel geht nun hin und her, es gibt Chancen auf beiden Seiten, aber dennoch sieht der FCZ eher wie der Sieger aus. Nun meldet sich auch wieder mal Fischer zu Wort. Sein Votum gilt Oliver Buff, der sich auch auf seiner neuen, etwas defensiveren, Position in viele Angriffe einschaltet: „Oli, du chasch nöd jedes Mal mitgaah…tuen emal schnuufe!“. Vielleicht ist immer noch nicht alles Adrenalin aus Nigeria abgebaut. Ein anderer Afrikareisender, der heute auf dem Platz steht, ist André Goncalves. In der 82. Minute fasst er sich ein Herz und läuft auf seiner rechten Seite bis an die gegnerische Strafraumgrenze. Von da zieht er wuchtig ab und trifft flach und präzise ins lange Eck. Ein sehenswertes Tor, das dem Goalie keine Chance lässt und das Spiel endgültig entscheidet. Das sieht wohl auch die Mannschaft so, jedenfalls ist Solothurn für die letzten Minuten nochmals ebenbürtig. Als der sonst gute Dominik Schiendorfer nach 85 Minuten fast ein Eigentor schiesst, muss sich Fischer nochmals einschalten: „Juuungs…es gaht no zäh Minute!“ Entscheidendes passierte aber nicht mehr. Nikci versucht in der Nachspielzeit noch bis ins Netz zu dribbeln und Orlando Lattmann vereitelt die allerletzte Chance des FC Solothurn mit einer guten Parade.

Nun ist Winterpause. Die U21 des FCZ steht auf dem guten 2. Rang ihrer 1.-Liga-Gruppe, nur vier Punkte hinter dem Nachwuchs des FC Basel. Mit einem zum Teil extrem jungen Team wurde eine ziemlich konstante Vorrunde gespielt. Einige hoffnungsvolle Spieler verliessen das Team im Sommer oder wurden ausgeliehen, um sich in der Challenge League zu bewähren. Gerade in jener Liga braucht es ja einigen Charakter, um sich gegen alle Versuchungen zu erwehren. Die Lücken wurden aber allesamt geschlossen, und dass sich nach einer halben Saison zudem drei Weltmeister im Team finden, hat wohl auch niemand erwartet. Urs Fischer war jedenfalls sehr zufrieden mit den Leistungen seiner Bande und sie dürfen es wohl auch mit der seinigen sein. Nun vergehen drei Monate bis zum nächsten Heimspiel (13. März), dannzumal scheint wieder die Frühlingsonne, der eine oder andere Spieler gehört dann vielleicht zum erweiterten Kader der ersten Mannschaft und wir hoffen, dass mit den Temperaturen auch die Zuschauerzahlen wieder steigen.

Adrian NikciAdrian Nikci beschäftigt die Solothurner Abwehr.

Oliver BuffDer „Langstreckenläufer“ Oliver Buff.

André GoncalvesAndré Goncalves, Torschütze zum 3:1.


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