André Goncalves

Erst die Arbeit

Wer setzt werktags um halb fünf eine Meisterschaftspartie an? Während die restlichen Spiele der 1. Liga Promotion abends stattfanden, kam das offenbar für YF Juventus heute nicht in Frage. Schliesslich stieg um 20:45 die Alte Dame höchstselbst in die Hosen. Zweieinhalb Stunden Zeit also für die Antipasti, die Gnocchi, den Brasato, bevor man sich vor den Fernseher setzen und der missione impossibile beiwohnen konnte. Zuschauer will der Klub nicht um jeden Preis. Sollte er in die Challenge League aufsteigen, will er seine Partien in Winterthur austragen. So kämpft man auf dem Juchhof eben mittwochnachmittags vor bescheidener Kulisse. (Mehr als die 150 Zuschauer hat allerdings der FCZ auch nur in Ausnahmefällen, wenn also beispielsweise hunderte Schaffhauser zum Auswärtsspiel ihres Teams anreisen.) Und Juve hat seinen überdrehten Präsidenten, der mit einer gasbetriebenen Sirene Stimmung macht. Das Klangschema 2-3-4-2 weckt Erinnerungen an Nationalligaspiele längst vergangener Zeiten. Die Mannschaft, mit den ehemaligen Zürcher Nachwuchsspielern Goljica und Mutter, steht in Sachen Einsatz seinem Präsidenten in nichts nach. Die temporeiche und spannende Partie kann sie aber nicht für sich entscheiden, zu stark spielt heute der FC Zürich auf. Für die gute Grundordnung sorgen Dalibor Stojanov, Asmir Kajevic und Lulzim Salija. Defensiv lässt man sich, auch während längerer Druckphasen, nichts zuschulden kommen. Dass André Goncalves schon früh sein Stürmerblut spürt und nach einer schönen Einzelaktion das 0:1 schiesst (24.), kommt der Mannschaft gut zupass. Wenn der schnelle Causi in der Spitze und Kleiber über links lanciert werden, wird es immer wieder gefährlich. YF Juventus macht das Spiel, kommt aber kaum in den Abschluss. Der Ausgleich fällt, nachdem die Kräfte der Heimmannschaft schon lange deutlich geschwunden sind, bezeichnenderweise per Freistoss (92.) Ärgerlich für die Zürcher natürlich. Allerdings zeigten sie heute gegen einen starken Gegner eine untadelige Leistung und haben sich nichts vorzuwerfen. Der SC YF Juventus scheint etwas ins Stocken geraten zu sein (zuletzt 1 Punkt aus zwei Partien), allerdings fehlen lediglich 2 Punkte zur Spitze. Vielleicht täten ein paar Zuschauer mehr aber doch gut. Schliesslich haben Studien gezeigt, dass der sogenannte Heimvorteil auf die Beinflussung der Schiedsrichter durch die Fans zurückzuführen sei. Die Wirkung einer einzigen Gashupe dürfte zu vernachlässigen sein. (Fotos: Markus Scherer)

SC YF Juventus – FC Zürich II 1:1 (0:1)
Brecher; Gonçalves, Kllokoqi, Alesevic, Baumgartner; Schäppi (13. Salija), Nafkha (60. Hren), Stojanov, Kleiber; Kajevic, Causi (76. Nsiala)


Copyright 2016 #FCZ wtchblg