Gespräch mit Hubert Münch (2)

fcz.watchblog: Hubi Münch, erzählen Sie, wie war es in Mailand?
Hubi Münch: Wir hatten eine tolle Fahrt nach Mailand. Zu viert, alles Kollegen, einer mit Sohn. In einem grossen Auto mit angenehm Platz für alle sind wir hingefahren, direkt zum Stadion. Imposant. Ich war davor noch nie im San Siro. Die Ausmasse sind einfach gigantisch.

Und wie hat Ihnen der FCZ gefallen?

Das Spiel fand ich eigentlich enttäuschend. In der ersten Hälfte war der FCZ taktisch unglaublich gut, ist sehr gut gestanden. Der Gegner hatte fast keine Chancen. Nur auf den Aussenseiten hatte Zürich Mühe, besonders auf der rechten. Kaka und Seedorf konnten dort ungehindert laufen und spielen. Doch ich hatte dann einfach den Eindruck, der FCZ wollte nicht mehr. So wie gespielt wurde, war das Spiel von Anfang an auf Schadensbegrenzung ausgelegt. Der FCZ wagte einfach nicht mehr, das war schade. Weil diese AC Milan war nicht unschlagbar. Ich habe Aggressivität vermisst – und die ist unverzichtbar, wenn man international bestehen will. Hassli war vorne wirkungslos, konnte meiner Meinung nach jedoch wenig dafür. Er wurde völlig isoliert und allein gelassen. Und mit diesen weiten Bällen auf den Kopf kann man auf diesem Niveau wenig anfangen. Hier hat man wieder gesehen, dass vor allem die Schadensbegrenzung und nicht konsequent ein aggressives und inspiriertes Spiel in die Offensive gesucht wurde. Adbi hat mir nicht gefallen. Vielleicht sollte ich sagen, er ist mir schlicht nicht aufgefallen. Obwohl er genügend Raum gehabt hätte. Vielleicht wurde er auch von den anderen Spielern nicht gesucht?

Und wie sah dieses erste vermeintliche Tor von Stahel von der Tribüne her aus? Hätte es vielleicht den Spielverlauf verändert?
Dazu muss ich bemerken, dass ich Spiele immer mit einem anderen, von der Praxis geübten Blick verfolge, als das die meisten Zuschauer tun. Als Stahel ansetzte, suchte mein Auge automatisch den Linienrichter. Meine Kollegen sprangen auf, ich hab nur gesagt, ihr könnt euch wieder setzen, die Fahne ist oben… Von meinem Platz aus konnte ich nicht beurteilen, ob der Entscheid richtig war. In den Zeitungen konnte man danach lesen, dass Stahels Tor zu unrecht aberkannt wurde. Ich glaube schon, dass dieser Treffer dem Spiel eine andere Richtung gegeben hätte. Weil die Verunsicherung der AC Milan war bis dahin spürbar. Und der FCZ hätte aus diesem Resultat Selbstbewusstsein gewonnen und auf Konter spielen können.

Sind Unterklassige gegen die ganz Grossen – wie AC Milan – bei Schiedrichter-Entscheiden unbewusst benachteiligt?
Das ist so. Jedoch läuft das bei den Schiedsrichtern ganz klar unbewusst ab. Vor allem unerfahrene Schiedsrichter lassen sich in solchen Situationen von den grossen Namen beeindrucken. Die ganz grossen Mannschaften wie Arsenal, ManU und auch AC Milan geniessen da einen Bonus, für den Sie lange gearbeitet haben; das lässt sich nicht so schnell wegdiskutieren. Die Stars haben auch ein entsprechendes, teilweise sehr selbstbewusstes Verhalten auf dem Platz.

Hat man eigentlich die Zürcher Kurve im Stadion gehört?
Jaja, gut sogar! Man hat sie nicht nur gut gehört, sondern auch gesehen. Während des ganzen Spiels. Es ist schon unglaublich, wie die Leute dort Stimmung gemacht und nicht nachgelassen haben. Manchmal haben wir und andere Zürcher auf der Haupttribüne miteingestimmt: «Milano, Vaffanculo!» Die Italiener haben aber auch entsprechend zurückgegeben.

Was kann der FCZ aus diesem Spiel mitnehmen?
Der FCZ war in der ersten Hälfte des Hinspiels organisatorisch sehr gut. Wenn er die Spannung nun über die ganze Partie halten kann und alles auf ein frühes Tor setzt, dann ist alles möglich. Dann brauchen wir nur noch ein weiteres Tor…


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