Horch was kommt

Dass es auf dem Heerenschürli akustisch hoch zu und her geht, kann man wirklich nicht sagen. Die musikalische Begleitung ist zwar abwechslungsreicher als früher, als eine komplette Saison mit der gleichen CD bestritten wurde. Und der Einmarsch der Mannschaften wird endlich nicht mehr vom Thema aus „Pirates of the Caribbean“ untermalt, dem wohl abgelutschtesten Stück Begleitmusik der Gegenwart. Vom Baseballspiel ennet dem grünen Zaun tönen wahlweise Südstaatenrap und Thrash Metal herüber. Gesungen wird, wenn überhaupt, von den Fans der Gästeteams. Heute sind das vier kleine Männer unterschiedlichen Alters, aber von  einheitlichem Erscheinungsbild. Schwarzes Käppi auf dem Kopf und das schlabbrige T-Shirt mit einem schwarzen Schal verbrämt. „Ein Auswärtssieg wäre schön!“ tönt bescheiden das Lied der „Supporters Basel 2“. Leicht unheimlich wird es nach etwa 35 Minuten, als sich von der nahen Wohnsiedlung her mit hoher Geschwindigkeit ein lautes Gezisch nähert. Die Angst vor dem Hagelschlag treibt die Zuschauer innnert Sekunden ins Garderobengebäude. Es fallen aber nur kirschengrosse Regentropfen. Das Spiel steht zu diesem Zeitpunkt 1:1 unentschieden, der FC Zürich kommt aber erst jetzt langsam in die Gänge. Am Anfang wirkt das Team zaghaft und etwas verschlafen. Das frühe 0:1 kann Egzon Kllokoqi nach einem Freistoss von Milan Gajic mit einem schulbuchmässigen Kopfball ausgleichen (19.), mit zwei Postenschüssen und eines wegen eines Offsides aberkannten Tors müssen die Basler mit sich und dem Schicksal hadern. In der Pause singt Aretha Franklin. Etwas zuviel „Respect“ haben die Zürcher bislang wohl vor dem Gegner gehabt. „Just a little bit, just a little bit“ wäre auch genug. In der Kabine kurz in sich zu gehen, könnte auch nicht schaden. Aretha: „I say a little prayer.“ Nach dem Seitenwechsel kommt Brunner für Mariani (beide im Aufgebot für die 1. Mannschaft) und Silvano Schäppi für Goncalves. Bereits nach zehn Minuten bekommen die Zuschauer eines von Schäppis Tempodribblings zu sehen. Mit stupender Technik und solider Physis tanzt er die Basler Hintermannschaft aus. Dem Ruf des Torhüters „Nit schiesse lah!“ folgt der trockene Abschluss ins lange Eck: 2:1 (55.) In der Entstehung unglücklich (in der Verteidigung schiesst man sich gegenseitig an), fällt der Ausgleich der Basler in eine Drangphase mit einem weiteren Offsidetor und zweimaliger Klärung auf der Linie (70.) Den entscheidenden Treffer erzielt Milan Gajic mit einem Freistoss, bei dem alle – seine Teamkollegen wohl eingeschlossen – mit einer Flanke rechnen, Gajic aber schiesst auf den kurzen Pfosten (83.) Dank einer konzentrierten Leistung in der zweiten Halbzeit verdient sich die Mannschaft von Urs Meier den Sieg und weist nach vier Spieltagen bereits zehn Punkte aus. Der namengebende Begriff der neuen Spielklasse, Promotion, ist für die U21 zwar nicht von Bedeutung. Die Versetzung in die nächsthöhere Spielklasse ist für sie nicht vorgesehen, genauso wenig wie für ihren heutigen Gegner. Ziele kann man sich trotzdem setzen. Altersgenossen zu besiegen ist nicht das Schlechteste. Vor allem, wenn sie so stark spielen wie die Basler heute. (Fotos: Markus Scherer)

FC Zürich II – FC Basel II 3:2
Brecher; Goncalves (46. Schäppi), Kllokoqi, Stojanov, Di Gregorio; Kleiber, Gajic, C. Brunner, De Filippo; Mariani (46. M. Brunner), Nsiala (80. Cedeno)


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