Im Feindesland, buh huh!


Spiele gegen den FC Basel sind immer etwas Besonderes. Das heutige Treffen im Leichtathletikstadion St. Jakob gewinnt die U21 mit 2:1 Toren, nach hartem Kampf zwar, aber dennoch verdient. Wenn gleich man vernünftigerweise nicht ernsthaft von einer Feindschaft der beiden Lager sprechen kann, so ist die Rivalität zwischen den beiden Nachwuchsmannschaften doch gross. Man kennt sich zwar auch persönlich, sei es aus Nachwuchsauswahlen oder gar aus dem Klub, wie im Fall des Baslers Jan Wuhrmann, der die letzten zwei Saisons mit dem FCZ bestritten hat. Und trotzdem ist das Aufeinandertreffen der beiden Teams in puncto Prestige etwas ganz Spezielles. Besonders wenn die Mannschaften, wie im Moment, in der Tabelle so nahe beieinander stehen. Die Art und Weise, wie die Zürcher den heutigen Sieg feierten, zeigte denn auch: Hier ging es um mehr als drei Punkte.

Die von Beginn an intensiv geführte Partie sieht die erste Torchance zwar für die Basler, ein spielerisches Übergewicht hat aber anfangs eher der FCZ. Stossstürmer De Filippo und die fleissigen Mittelfeldzangen Brunner und Audino stören früh und lassen die Basler kaum zum Aufbauen kommen, während hinten der stark aufspielende Marcel Thoma jeden Angriff der Basler abfängt, die es immer wieder über ihre rechte Angriffsseite versuchen. Auch nachdem ein Verlegenheitsschuss De Filippos, von einem Basler Verteidiger unhaltbar ins hohe Eck abgelenkt, den FCZ in Führung bringt (12.), ändert sich am Spiel zunächst nichts. Es wird – vor allem seitens der Zürcher – ein aggressives Forechecking betrieben. Die Partie spielt sich vor allem im Mittelfeld ab, ist aber darum nicht blockiert, weil es beide Mannschaften verstehen, bei Balleroberung, z.B. nach einem Eckball, schnell und gefährlich umzuschalten. Exemplarisch dazu die Aktion, die sich in der 21. Minute nach einem gefährlichen Kopfball auf das Tor von René Borkovic entwickelt. Borkovic, welchem der Ball von der Latte in die Hände springt, spielt diesen derart schnell in den Angriff, dass der gegnerische Schlussmann vor dem eigenen Strafraum ins Seitenaus klären muss. Nach dem Seitenwechsel schickt Trainer Meier die Ersatzspieler zum Warmlaufen, nicht auf jene Seite, wo schon die Basler sich aufwärmen, sondern gegenüber davon. Dies allerdings wohl weniger, weil sich die Fussballer an die Gurgel gehen würden, der Rasenstreifen hinter den Grundlinien ist ganz einfach sehr schmal. Überhaupt hat das Spiel in der ersten Halbzeit, wenn auch aggresiv geführt, keine Unsportlichkeiten gezeigt. Die vereinzelten Zwischenrufe der Basler Fans, an die Adresse der huere Schiiss-Zircher sind nach wie vor die einzigen Misstöne, allerdings ist man sich auch hierbei Schlimmeres gewohnt. Die zweite Halbzeit beginnt für den FCZ denkbar schlecht. Nach wenigen Minuten kommt die Innenverteidigung bei einem hohen Ball für einmal zu spät und es heisst 1:1. Kurz danach kann René Borkovic mit letztem Einsatz klären. Mittlerweile tun sich im Basler Mittelfeld grosse Löcher auf. Die Heimmannschaft sucht nun vehement den Sieg. Dann kommt der Ball nach einem scharf getretenen Freistoss Stojanovs zum unermüdlichen tunesischen Gastarbeiter Mohamed Ali Nafkha (Bild), welcher am Vorabend zum Tag der Arbeit sein gutes Spiel mit einem harten und placierten Flachschuss zum 1:2 krönt (63.). Dass der FCZ die letzte halbe Stunde unbeschadet übersteht, ist einerseits Torhüter Borkovic zu verdanken, der alleine ein halbes Dutzend Basler Grosschancen vereitelt, andererseits dem grossen kämpferischen Einsatz der Mannschaft, allen voran Maurice Brunner, der sich nicht scheut, es auch mal mit zwei oder drei Gegnern gleichzeitig aufzunehmen und Davide Mariani, der um Bälle kämpft, als wolle er sich seine gelbe Karte, einer Tapferkeitsmedaille gleich, verdienen. Auch die Basler können sich am Schluss nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben: In der 94. Minute muss der Schiedrichter wegen Schwalbe im gegnerischen Strafraum gelb ziehen. Dann ist Schluss und die Zürcher Ersatzbank stürmt unter lautem Gebrüll das Spielfeld. Ein paar Basler Fans schimpfen noch einmal laut. Dann ist aber bald wieder Ruhe. Um nichts weniger als Ruhm und Ehre ging es in diesem Spiel, davor und danach ist die Feindschaft zwischen Basler und Zürcher Lager etwas, mit dem man kleine Kinder erschrecken kann. (Foto: Markus Scherer)

FC Basel U21 – FCZ U21 1:2
Borkovic; Di Gregorio, Djimsiti, Schmid, Thoma; Audino (75. Joao da Silva), Stojanov, Nafkha, Mariani, Brunner (92. Carava); De Filippo (81. Imren)

Zuhause spielt die U21 das nächste Mal am 7. Mai gegen den SC Dornach.

Von Hermus Rackers

Besucht seit Jahren lieber die Spiele auf dem Heerenschürli (Utogrund, Brunau) als im Letzigrund.